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Die Industriestrecke 

Pirna Copitz - Mockethal - Herrenleite

 

Im Januar 1900 richteten 14 Anliegergemeinden an den sächsischen Landtag eine Petition zum Bau einer Industriebahn von Copitz durch die Herrenleite nach Dorf Wehlen. Man entschied sich für eine normalspurige, ausschließlich dem Güterverkehr der Steinbrüche und ortsansässigen Industrie vorbehaltene Nebenbahn. Das 4,8 km lange Gleis zweigte am km 44,504 der Strecke Pirna - Dürrröhrsdorf ab (am heutigen BSZ für Technik). 

Der Bahnbau begann am 02.01.1906. Am 20.03.1907 ging die Strecke in Betrieb.

Nach dem ersten Weltkrieg errichtete man in der nähe der Ladestelle Copitz ein Eisenwerk welches ein Anschlussgleis besaß. Am 18.07.1925 wurde der Anschluss zum neu errichteten Sägewerk abgenommen. Weitere Zweiggleise entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Tanklager (ebenfalls in Copitz) sowie zu einem Getreidesilo in Mockethal.

Das dunkelste Kapitel in der Geschichte der Strecke begann Anfang August 1944. Das abgelegene Tal wurde von SS-Einheiten völlig abgeriegelt und mit dem Bau von Anlagen zur Benzindestillation (Codebezeichnung "Ofen") und Schmierölherstellung ("Dachs VII") begonnen. Als Nachnutzer der Anlagen in der Herrenleite zog das spätere "VEB Mineralölwerk Herrenleite" ein und destillierte bis 1964 (minderwertiges) Benzin. Danach übernahm die NVA das Gelände und fertigte ihrerseits Frostschutzmittel. Um 1970 erfolgten die letzten zivilen Transporte per Industriebahn in die Herrenleite. In den achtziger Jahren intensivierte man dann die militärische Nutzung, vor allem der unterirdischen Bauten. Das Tal wurde wieder zum streng bewachten Sperrgebiet. Die zahlreich entstandenen Zweckbauten der NVA und die ehemaligen Anlagen des Mineralölwerks übernahm nach 1990 - mitsamt erheblicher Altlasten - die Bundeswehr.

1996 fand der  Verein "Historische Feldbahn Dresden" auf dem verlassenen Gelände des ehemaligen "VEB Mineralölwerk Herrenleite" sein neues Domizil. Im Juni 1998 begannen wir mit ersten Sicherungsarbeiten im Gelände. 

Am 9. September 1996 erhielt die Strecke den Status eines Nebengleises des Bahnhof Pirna. Reguläre Zugfahrten fanden zu diesem Zeitpunkt nicht mehr statt.

1998 wurde das Schicksal der brachliegenden Strecke in die Herrenleite mit dem Ausbau der Abzweigweiche besiegelt. Eine letzte außergewöhnliche Zugfahrt erlebte die Strecke zwei Jahre zuvor, als ein Schienenbus die damals noch nicht zugewachsenen Gleise befuhr.

Im Juli 2005 gab das Eisenbahn-Bundesamt die Strecke zwischen km 0,15 und 1,58 zum Abbau frei, der kurz danach erfolgte. 

Die Restliche Strecke ist noch vorhanden. Diese wurde durch den Verein Historische Feldbahn Dresden 2007 wieder freigeschnitten und wird nun regelmäßig bei Veranstaltungen wie zu Pfingsten mit einer Draisine befahren.

Quellen:  Sachsenschiene, HFD, Wikipedia

 

Bilder der Stecke

 

Nun noch zwei Bilder aus vergangen Zeiten. 

 

Copyright © 2002-2014 Mario Dittrich Alle Rechte vorbehalten. Stand: 02. Januar 2014